Kusen von L. Tenryû Tenbreul

Samstag, den 21. März 2026

In Zazen konzentrieren wir uns auf Haltung und Atmung im Sinne von Sich-Hineinwenden. Die aufrechte Haltung ermöglicht die langsame, sachte Ausatmung. Die Energie einer langsamen, sachten Ausatmung verbindet Körper und Geist von Neuem und kann den Raum schaffen, in dem sich das Bewusstsein lösen kann aus dem alltäglichen Beschäftigtsein. 

Haltung, Atmung und Geistverfassung sind auf subtile Weise miteinander verbunden, und in ihrem wechselseitigen Einfluss aufeinander kann eine neue Art von innerem Gleichgewicht und Präsenz entstehen. Das Sitzen an sich ist dann keine Methode oder Technik mehr, sondern eine Weise des Daseins. 

Meister Deshimaru sagte: „Zazen ist wie die Rückkehr des Tigers in seine heimatlichen Berge oder die Freiheit des Drachen beim Eintauchen in seine heimatlichen Gewässer“. Das bedeutet, dass unser eigentliches Selbst vom Herumirren in der Welt der Illusion zurückkommen kann zu seiner wahren Natur. 

Zu Beginn, wenn wir uns in Zazen setzen, merken wir oft die Bewegtheit unseres Bewusstseins, und es braucht ein bisschen Geduld, sich in Haltung und Atmung hineinzuwenden. Doch innerhalb der Übung entsteht mit der Zeit ein natürlicher Mechanismus, der das Zurückkommen unbewusst, natürlich vollzieht. 

Obwohl Zazen eine Art Anstrengung erfordert, ist es gleichzeitig eine Art ankommen und bei sich selbst sein. Da dieses Ankommen immer in der Gegenwart geschieht – oder nur in der Gegenwart geschehen kann – ist es immer neu. Und obwohl Zazen immer das Gleiche zu sein scheint, ist es immer wieder die Begegnung mit der Ganzheit des Seins.